Tipps
Tipps zur Vorbereitung auf Portfolio- und Buch-Reviews
„Seien Sie selbstsicher, aber nicht aggressiv!“



Tipps für Ihren Reviewtermin


Was empfahlen Will McBride, Wolfgang Pfaffe, Dr. Martina Mettner und Celina Lunsford (von der das Titelzitat stammt) in ihren Vorträgen, die sie anlässlich des 2. Kasseler Fotofrühlings in Kassel hielten?
Wir haben diese Tipps für Sie zusammengestellt und aktualisiert.


Vor der Aufnahme
+ Suchen Sie sich ein Thema, das Ihnen am Herzen liegt und was Sie wirklich interessiert. Nicht das, von dem Sie denken, dass es den Markt interessieren könnte.
+ Informieren Sie sich so gut wie möglich über Ihr Thema (wenn Sie es ohnehin nicht schon „leben“).
+ Haben Sie Geduld, erzwingen Sie nichts. Nur Abwarten und sich Einlassen bringt Sie in Situationen, in denen die richtigen Bilder möglich werden.
+ Arbeiten Sie nicht gegen Ihr eigenes Ego an, machen Sie nur das, was Sie können, und das richtig und mit Engagement in jeder Beziehung.
+ Trauen Sie sich etwas zu, gehen Sie kleine Risiken ein, springen Sie über Ihren Schatten, ohne sich oder andere dabei zu gefährden.


Bei Aufträgen
+ Der Auftraggeber hat immer Recht.
+ Richten Sie sich nach den Anforderungen der Auftraggeber, liefern Sie genau das, was bestellt war.
+ Nutzen Sie neueste Technik, aber nur so weit, wie Sie sie wirklich beherrschen und so weit wie Sie sie überhaupt benötigen.


Nach der Aufnahme
+ Pflegen Sie Kontakte, die nicht nur ein Nehmen bedeuten, sondern auch ein Geben.
+ Entwickeln Sie für sich eine Marke, seien Sie unverwechselbar, aber bleiben Sie Sie selbst und authentisch. Ob Skandale und exzentrisches Verhalten Sie sympatisch und interessant machen, müssen Sie selbst entscheiden.
+ Sind Sie überhaupt ein marktgängiger Typ? Es geht nicht nur um Kunstwerke, sondern auch um den Künstler, die Künstlerin und schließlich um Geld …
+ Seien Sie informiert, lesen Sie, gehen Sie zu Ausstellungen, Tagungen, Vorträgen …
+ Besuchen Sie Festivals.
+ Nutzen Sie die Möglichkeit, an Portfolio- oder Dummy-Reviewings teilzunehmen.
+ Verschonen Sie Galerien mit Initiativbewerbungen; lassen Sie sich empfehlen, empfehlen Sie sich nicht selbst.
+ Nutzen Sie Ihre Chancen, aber erzwingen Sie sie nicht.
+ Im Zweifelsfall: Lassen Sie sich beraten, sprechen Sie mit anderen über Ihre Arbeiten, nehmen Sie Kritik ernst.


Bei Portfolioschauen
+ Seien Sie gut vorbereitet. Informieren Sie sich über Ihren Reviewer, Ihre Reviewerin, und suchen Sie sich die für Sie passenden Fachleute aus.
+ Was erwarten Sie eigentlich von einer Viewingteilnahme? Haben Sie Fragen, Wünsche, Erwartungen?
+ Erscheinen Sie pünktlich zu Ihrem Termin, die Zeit ist rigoros begrenzt.
+ Reden Sie nicht zuviel, vor allem nicht am Anfang und über Ihre Arbeiten. Lassen Sie Ihr Gegenüber genau so Ihre Arbeiten ansehen, wie es sich der Viewer/die Viewerin wünscht.
+ Zeigen Sie Beispiele für zwei oder maximal drei Ihrer Werke: abgeschlossene, im Entstehen begriffene und projektierte Arbeiten.
+ Zeigen Sie gute und handliche Abzüge oder Ausdrucke, also weder Fotokopien noch empfindliche High-End Abzüge. Zeigen Sie Arbeiten auf Computermonitoren nur dann, wenn genau das den Werken entspricht.
+ Oder zeigen Sie Dummys oder Maquetten, das sind Entwürfe für Fotobücher, die wiederum den Charakter eines geschlossenen Werks tragen sollten. Es geht hier nicht um eine Sammlung von schönen Einzelbildern! Die Dummys können entweder als Unikate gebunden oder von einem Fotobuchproduzenten digital ausgedruckt worden sein. Entscheidend ist weniger die technische Perfektion, mehr aber die Schlüssigkeit als Werk. Es sind ja (noch) Entwürfe!
+ Ermöglichen Sie dem Reviewer oder der Reviewerin einen ungehinderten Zugriff auf Ihre Arbeiten (Kästen statt Hüllen), die nicht zu groß und auch nicht zu klein sein dürfen. Denken Sie an den Platzbedarf in der Tischsituation und an den begrenzten Betrachtungsabstand am Tisch.
+ Seien Sie nicht enttäuscht, wenn nicht jeder von Ihnen Angesprochene begeistert von Ihren Arbeiten ist, respektieren Sie andere Prioritäten.
+ Nehmen Sie Kritik ernst (sofern Sie seriös vorgetragen wurde).
+ Halten Sie Ihre Kontaktdaten (Visitenkarten!) und einen Indexprint (1 Blatt DIN A4) mit größeren Thumbnails, die einen kompakten Querschnitt Ihrer Arbeiten zeigen, bereit.
+ Führen Sie ein kleines Portfolio oder ein kleines Dummy mit sich, um bei unverhofft sich bietenden Gesprächschancen vorbereitet zu sein…
+ … aber beachten Sie, dass jede Viewing- oder Festivalatmosphäre irgendwann einmal zu Ende ist und dass solche Veranstaltungen Regeln haben, die unbedingt eingehalten werden müssen. Respektieren Sie diese Grenzen.
+ Es besteht immer Hoffnung, dass genau Ihre Arbeiten in Erinnerung bleiben und den Bedarf an näheren Informationen nach sich ziehen. Bleiben Sie bei aller Freude gefasst …


Noch etwas braucht es: Glück.


Viel davon wünscht Ihnen das Kasseler Fotoforum!


Zusammenstellung und Redaktion: Thomas Wiegand